Nr. Autor Jahr Titel
803 Wanner, Tabbea. 2008 In Bewegung besser lernen? Ein Experiment.

Das ungesunde Problem „Übergewicht“ hat nach Amerika nun auch die Schweiz erreicht. Bewegungsmangel ist eine der bekannten Ursachen. Das Kind verbringt heute in unserem Land fast 90% des Schulunterrichts sitzend. Bewegung hilft, Haltungsschäden zu vermeiden. Ob sie auch das Lernen fördert, war meine Fragestellung. Das Experiment „In Bewegung besser lernen“ wurde nach sorgfältiger Vorbereitung mit vier Regelklassen (Stufe 5) unter möglichst gleichen Bedingungen durchgeführt. Die Aufgabe der SchülerInnen war es, in 15 Minuten möglichst viele romanische Wörter zu lernen. Auf den ersten Test bereiteten sie sich sitzend im Klassenzimmer vor, auf den zweiten im Gehen. Darauf folgte je ein Vokabeltest (Schwierigkeitsgrad vergleichbar). Die Testresultate wurden verglichen und zeigten eine hohe Übereinstimmung. Beim Lernen im Gehen wurden gegenüber dem Lernen im Sitzen zwar individuelle Leistungsunterschiede sichtbar, gesamthaft konnte jedoch weder eine lernfördernde noch -hemmende Wirkung herausgelesen werden. Laut Aussagen der Kinder (Fragebogen) wurde durch die Bewegung jedoch die Freude am Lernen gesteigert und ermöglichte dadurch positive Emotionen. Gemäss den neurowissenschaftlichen Untersuchungen von Manfred Spitzer (2006) erhöhen diese die kognitive Lernfähigkeit. Bezüglich der logopädischen Therapie kann eine ähnliche Wirkung vermutet werden, so dass die Ergebnisse der vorliegenden empirisch orientierten Arbeit mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die Logopädie übertragen werden können. Das Ziel der Validität wurde nicht verfolgt. Der Einbezug von Bewegung in Unterricht und Therapie steigert aber offensichtlich Lernfreude und Motivation und kann möglicherweise längerfristig auch bessere kognitive Leistung und Gesundheit bewirken.


« zurück