Editorial

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser, liebe Kollegin, lieber Kollege,

«Durch Einstellungen werden Einstellungen eingestellt – oder eingestellt.» (Andrea Mira Meneghin)

 

Ja, man muss den Satz mehrfach lesen. Er gehört zum wunderbaren deutschen «Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach»-Satztyp – nur mit etwas mehr Gehalt. Was würden wir nur ohne unsere Gross- und Kleinschreibung machen? Aber diese hilft uns in ersterem Fall auch nicht weiter. Also müssen wir uns dem Satzinhalt semantisch annähern. Wenn man «Einstellungen» und «eingestellt» jeweils durch andere Lexeme ersetzt, dann könnte der Satz z. B. ungefähr folgendermassen lauten: Durch Anpassungen werden Ansichten justiert – oder aufgegeben. So ist der Satz leichter zu verstehen, die Kernaussage aber bleibt keine einfache Aufgabe, denn: «Einstellungen kann man nicht einfach ändern. Sie sind das Resultat unserer Erfahrungen». (Damaris Wieser)

 

Und so können Sie in der vorliegenden Ausgabe von logopädieschweiz in dem Beitrag von meinen Kolleginnen und mir lesen, in welchem Alter Kinder in der Schweiz und in Österreich, die in Dialektumgebung aufwachsen, bereits klassische stereotype Einstellungen gegenüber dem Dialekt und der Standardsprache entwickeln.

 

Weiterhin vertritt Wiebke Scharff Rethfeldt in ihrem Fachartikel eine absolut klare Einstellung in der Frage nach Förderung oder Therapie bei mehrsprachigen Kindern und zur Verwendung verschiedener Diagnostikverfahren für diese Patientengruppe.

 

Im dritten Fachbeitrag, der noch einmal ein ganz anderes Thema anschneidet, gehen Barbara Tresch und Ingrid Weng auf die teilhabeorientierte Arbeit mit Angehörigen von Patientinnen und Patienten mit Aphasie ein. Denn nicht selten ist auch hier eine besondere Einstellung gegenüber der sprachlichen Problematik der Betroffenen gefragt und nicht selten entstehen sozialer Rückzug oder Resignation durch zu gut gemeinte Unterstützung oder Entlastung.

 

Noch einmal zurück zum Zitat von Damaris Wieser: Manchmal haben wir aber auch Einstellungen gegenüber Dingen oder Situationen, obwohl uns die Erfahrung fehlt. Das zeigt uns die aktuelle Zeit zum Teil sehr deutlich. Die Einstellungen zum Umgang mit der Corona-Pandemie gehen von Person zu Person weit auseinander und dürfen aber auch von den jeweils anderen nicht verurteilt werden, denn keiner kann wissen, was der richtige Umgang ist. Nichtsdestotrotz kann es nicht schaden, wenn es einem gelingt, auch in solchen Situationen eine zuversichtliche Einstellung zu bewahren und vielleicht auch hier die positiven Seiten zu sehen. So wie eine Freundin von mir, Mutter von drei Kindern, sich sogar als «Corona-Fan» bezeichnet hat, weil ihr Mann Homeoffice gemacht hat und unmittelbar nach Feierabend zur Verfügung stand, sie nicht vom Kindergarten zur Krabbelgruppe zum Kindergeburtstag hechten musste und sie somit die Anfangszeit mit ihrer kleinsten Tochter in vollen Zügen geniessen konnte. Sehen wir es, trotz der vielen Einschränkungen, doch auch einmal von dieser Seite aus.

 

Und ein bisschen Erfahrung haben wir dann ja doch schon: Die ganz strengen Restriktionen haben wir (zumindest vorerst) hinter uns gelassen, auch wenn wir nicht wissen, was uns in Zukunft erwartet.

 

Gesundheit und Zuversicht mögen Sie in diesem Spätsommer und dem farbenfrohen Herbst begleiten.

 

Herzlich
Mirja Bohnert-Kraus, Redaktorin

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