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928 Julia Seraina, Liniger 2018 Stottern im Kindesalter – eine Befragung Thurgauer Kinderärztinnnen und Kinderärzte.

Zum Thema Stottern herrschen auch heutzutage noch sehr viele Vorurteile und Mythen. Beginnt ein Kind unerwartet zu stottern, ist im Alltag oftmals von «Entwicklungsstottern» oder «physiologischem Stottern» die Rede.

Diese Begriffe sorgen jedoch für Verwirrung, da Stottern klar von normalen Sprechunflüssigkeiten abgegrenzt werden sollte (vgl. Sandrieser & Schneider 2015, 20). Normale Sprechunflüssigkeiten wie z. B. gefüllte oder stille Pausen, Wiederholung von Wörtern oder Phrasen, treten bei allen Menschen auf und werden als «kommunikativ-pragmatische Mittel» eingesetzt. Diese kommen in der kindlichen Entwicklung vor und werden später sogar erlernt (vgl. Sandrieser & Schneider 2015, 22). Stottertypische Unflüssigkeiten wie Laut- und Silbenwiederholungen oder Blockierungen geschehen unfreiwillig und sind nicht als physiologisch zu werten (vgl. Neumann et al. 2016, 17).

Bei vielen Eltern treten Unsicherheiten auf, wenn ihr Kind zu stottern beginnt und wenden sich an ihre Kinderärztin oder ihren Kinderarzt. Doch wie ist der Wissensstand der Mediziner(innen)? Vertreten diese die Meinung,dass Stottern bei Kindern entwicklungsbedingt auftritt und welche Massnahmen werden demnach empfohlen?

Diesen Fragen geht die vorliegende empirieorientierte Arbeit nach. Befragt wurden mittels eines schriftlichen Fragebogens die Kinderärztinnen und Kinderärzte des Kantons Thurgau. Die Auswertung der Daten zeigt, dass über 50% der Befragten die Meinung vertreten, dass Stottern physiologisch in der Entwicklung auftritt. Logopädie wird als empfohlene Massnahme am häufigsten angegeben, gefolgt von keiner Intervention und Psychotherapie.

Schlüsselwörter: Stottern - Frühkindliches Stottern – Umfrage – Kinderärztinnen und Kinderärzte

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